Ortskerne sind Begegnungszentren – lokalen Handel erhalten!

Auf dem Markt treffen sich die Nossnerinnen und Nossner, wenn sie ihre Einkäufe erledigen. Eine Gemeinde ist nur lebendig, wenn sich die Menschen begegnen. Traditionell geschieht das in den gewachsenen Ortskernen. Die Stadt Nossen ist mit ihrem Markt zurzeit noch gut aufgestellt. Die Ladenflächen stehen bis auf wenige Ausnahmen nicht leer und die Branchen sind breit gefächert. In ähnlich großen Orten unserer Region sieht es hingegen schon düster aus. Schauen sie sich einmal bewusst die Ortskerne von Lommatzsch, Roßwein oder Siebenlehn an! Der Unterschied wird Ihnen ins Auge springen. Alle drei genannten Städte können ebenfalls baulich durchaus ansprechende Zentren aufweisen. Aber der Einzelhandel ist dort bereits stark ausgedünnt bis nahezu zusammengebrochen. Der Nossner Markt hingegen lebt durch seine zahlreichen Geschäfte.

Aber auch unsere Einzelhandelsstruktur ist gefährdet. Geschäfte werden bzw. wurden bereits aus Altersgründen geschlossen. Der Handel hat sich im Wesentlichen auf den Marktplatz zurückgezogen, während vor zehn oder fünfzehn Jahren insbesondere in der Waldheimer Straße deutlich mehr Geschäfte zu finden waren. Ähnlich verhält es sich auf der Bismarkstraße. Selbst auf dem Marktplatz stehen zwei Ladenflächen mittlerweile leer.

Mit Sorge sehe die Entwicklung, den Einzelhandel aus dem Stadtkern zu verlagern. Diesen Fehler haben sich viele ostdeutsche Kommunen direkt nach der Wende geleistet. Heute kämpfen sie mit viel Aufwand und wenig Erfolg um die Wiederbelebung ihrer Ortszentren. Ich möchte mich daher dafür einsetzen, dass keine weiteren Einzelhandelstandorte am Ortsrand entstehen. Der Handel gehört in die Innenstadt. Randbereiche können für anderweitige Gewerbeansiedlungen sinnvoller genutzt werden.

Ein ähnliches Problem – wenn auch mit anderen Ursachen – stellt sich in unseren ländlichen Ortsteilen. Hier sind Dorf- und Hofläden oder der Bäcker zentrale Anlaufstellen für die Bürgerinnen und Bürger. Als Kommune müssen wir darauf achten, das diese Strukturen erhalten bleiben bzw. wiederbelebt werden. Diese natürlichen Anlaufpunkte machen einen Ort lebenswert.

Was kann die Stadt tun?

Unterm Strich geht die größte Gefahr für unsere Einzelhandelsstruktur vom demografischen Wandel aus. Die Kommune muss versuchen, diesem Effekt der Überalterung gegenzuwirken. Aus meiner Sicht sind die enscheidenden Schlüssel hierzu eine familienfreundliche Stadtpolitik und die Schaffung attraktiven Wohnraums bzw. Baulands sowie eine gute Verkehrsanbindung an die großen Städte. Diese Maßnahmen generieren Zuzug.

Gleichzeitig ist dafür zu sorgen, dass sich der Einzelhandel in den Ortskernen entwickeln kann. Für die Kernstadt bedeutet dies, auf Experimente im Randbereich zu verzichten, auch wenn dem Stadtsäckel somit vielleicht ein paar schnelle Gewerbesteuer-Euro entgehen. Für die ländlichen Ortsteile sind gemeinsam mit lokalen Gewerbetreibenden Lösungen für den Erhalt der noch vorhandenen Strukturen zu suchen bzw. Fördermöglichkeiten für die Wiederbelebung zu prüfen.

Christian Bartusch Nossen Stadtrat Kreistag