Warum der ländliche Raum Zukunft hat

Sicherlich haben Sie auch die Debatte mitbekommen, die vor einigen Wochen durch eine Studie des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ausgelöst wurde. Im Wesentlichen wurde die These aufgestellt, dass „der Osten“ sich auf die Förderung der großen Städte konzentrieren müsse, um irgendwann zum „Westen“ aufschließen zu können. Natürlich wurde auch nicht vergessen zu erwähnen, welche Rolle das IWH dem ländlichen Raum in dieser schönen neuen Welt zugedacht hat: Keine!

Man müsse eben den ländlichen Raum aufgeben und sich auf die Zentren konzentrieren, so der „logische Schluss“ der Ökonomen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe mich über diese Aussagen furchtbar geärgert. Geärgert habe ich mich über den Inhalt, aber auch über die Art der Mitteilung. Hier wird im Grunde etwas als neue Forschungserkenntnis präsentiert, was bereits seit 15 Jahren – solange kann ich mich zumindest erinnern – immer und immer wieder als politische These verbreitet wird.

Wie kommt aber das IWH auf solch fragwürdige Antworten? Die Ursache ist aus meiner Sicht so simpel wie erschreckend. Als Kind wurde mir mal gesagt: „Wer blöd fragt, bekommt blöde Antworten!“ Und auch hier krankt tatsächlich die gesamte Analyse schon an der zugrunde gelegten Fragestellung. Das IWH hat untersucht, wie die ostdeutsche Wirtschaft an jene der alten Bundesländer anschließen kann. Der Fokus dieser Frage richtete sich einzig auf die Effizienz der Produktion bzw. Leistungserbringung. Maßstab waren die Stückkosten. Dass im Osten Arbeitsplätze subventioniert wurden, um den Menschen einen Lebensunterhalt zu sichern, wird als Nachteil ausgelegt. Aspekte wie Jobsicherheit, Beschäftigungsniveau oder Lebensqualität spielten bei dieser Untersuchung schlicht keine Rolle. Die Angleichung an die Produktivität in den alten Bundesländern wird unreflektiert als einziges Ziel gesetzt, auf das die vorgeschlagenen Maßnahmen ausgerichtet werden – ohne Rücksicht auf Verluste.

In unserem Grundgesetz kann man jedoch als Staatsziel die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse (Merke: Nicht gleicher Produktivität!) wiederfinden. Die Aufgabe ganzer Regionen zugunsten der Ballungszentren ist hiermit nicht vereinbar und auch nicht wünschenswert. Mein Interesse gilt daher der Frage, wie wir den ländlichen Raum so attraktiv gestalten können, dass die Menschen hier gut leben können und wollen.

Zuerst die gute Nachricht: Der Trend auf dem Wohnungsmarkt arbeitet aktuell für uns! Die Mieten in den Großstädten steigen unaufhörlich. Für uns ist hier natürlich die Entwicklung in Dresden besonders interessant. Die umliegenden Städte und Gemeinden können bereits seit Längerem einen vermehrten Zuzug verzeichnen. Die Menschen weichen bei der Wohnortwahl auf das Umland aus. Nossen liegt nur rund 35 km von Dresden entfernt. Auch wir können profitieren, wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Um Nossen – hiermit meine ich die Kernstadt und die ländlichen Ortsteile – dauerhaft lebenswert zu erhalten müssen wir uns vorrangig um folgende Punkte kümmern:

  • Erhalt der medizinischen Infrastruktur, Versorgungssicherheit auch in den ländlichen Ortsteilen
  • Bereitstellung von gutem und bezahlbarem Bauland
  • Sicherstellung attraktiver Mietangebote
  • Erhalt der Ortskerne einschließlich Nahversorgungsmöglichkeiten
  • enges Busnetz über die Dörfer
  • schnelle Bahnanbindung nach Dresden und Leipzig (Geld steht im Landeshaushalt bereit!)
  • Schaffung von Angeboten für die Jugend
  • Erhalt und gute Ausstattung der Schulen und Kindertagesstätten

Diese Punkte sind nicht unrealistisch, wenn man sie langfristig angeht und auch Fördermöglichkeiten intelligent einsetzt. Wesentliche Entscheidungen hierzu werden sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag getroffen. Darum möchte ich mich in beiden Gremien für eine positive Entwicklung unserer Heimat einsetzen. Chancen und Potential sind da. Wir müssen vor Ort das Beste daraus machen!